2. Gerhard Größ
Ich bin 51 Jahre alt, Vater von zwei Kindern im Alter von 14 und 24 Jahren und lebe in der Gemeinde Altenmarkt.
Beruflich arbeite ich in der Wohnungsnotfallhilfe. Die wurde von mir mit einer Kollegin im Jahr 2021 aufgebaut. Dort sehe ich täglich die Realität, die in Hochglanzbroschüren des Landkreises nicht vorkommt: extreme Armut, Wohnungslosigkeit, Obdachlosigkeit und die permanente Angst, die eigene Wohnung zu verlieren.
Das ist keine Randerscheinung, das ist Alltag – mitten in einem der reichsten Landkreise Bayerns. Dass sich dieser Landkreis gleichzeitig rund 1800 wohnungslose Menschen „leistet“, ist kein Skandal am Rand, sondern ein politisches Versagen im Zentrum.
Für mich ist das nichts für Sonntagsreden oder warme Worte. Wer einmal erlebt hat, wie schnell man alles verlieren kann, weiß: Armut verschwindet nicht durch Wegschauen oder gute Absichten. Sie muss bekämpft werden – konkret, solidarisch und ohne Ausreden. Meine Position ist klar: Im Landkreis Traunstein darf es keine Wohnungslosigkeit geben. Punkt. Dafür will ich im Kreistag streiten – unbequem, laut und notfalls nervig.
Mein zweiter Schwerpunkt ist der öffentliche Nahverkehr und die Vernachlässigung des nördlichen Landkreises Traunstein. Diese Region wird seit Jahren behandelt wie ein blinder Fleck auf der Landkreiskarte. Geplant wird, als gäbe es diesen Teil des Landkreises entweder nicht – oder nur als Durchfahrtszone. Öffentlicher Nahverkehr existiert hier weder als verlässliches Angebot noch als ernst gemeintes politisches Ziel.
Wer in Engelsberg oder Schnaitsee wohnt, kann nicht einmal per Fahrplan vernünftig zum Landratsamt kommen. Nicht nach München, nicht zur Arbeit, nicht zu Behörden, nicht zu Terminen. Es scheitert nicht an der Umsetzung – es scheitert schon an der Planung. Das ist kein Versehen, das ist strukturelle Vernachlässigung.
Dabei schlägt hier das industrielle Herz des Landkreises. Hier arbeiten die Menschen, die den Reichtum erwirtschaften, über den anderswo gerne geredet wird. Und trotzdem werden wir infrastrukturell abgehängt. Öffentlicher Nahverkehr ist keine Gefälligkeit, kein Bonus
und kein Luxusprojekt, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Mobilität darf keine Frage des Wohnorts oder des Geldbeutels sein.
Dass das im Jahr 2026 immer noch ignoriert wird, ist kein Zufall – es ist eine politische Entscheidung. Und genau dagegen trete ich an.

